Welche Auswirkung hat die Digitalisierung auf das Führungshandeln in NPO´s?

Führungskräfte von Non-Profit-Organisationen stehen in ihrer täglichen Arbeit in einem komplexen Spannungsfeld. Durch die zunehmende Digitalisierung wird dieses um eine weitere Komponente erweitert. 

Uta Mielisch und Regine Bruns unternahmen auf dem Symposium isb-Nord einen Versuch mit Hilfe der MC Methode prototypisch das Non-Profit-Feld zu erkunden. Das Ziel der beiden Referentinnen war es zum einen die Methode vorzustellen und zum anderen Erkenntnisse zu generieren. Ob dies gelingen würde? Die Resonanz war eindeutig: Die Methode eignet sich sehr, um sich komplexen Systemen zu nähern und diese zu verstehen. 

„Nicht einmal jedes 10te Unternehmen mit gesellschaftlichem Engagement ist zum Thema Digitalisierung aktiv“. Uta Mielisch vertritt die Hypothese, dass der Beratungsbedarf zu diesen Themen im Non-Profit-Sektor steigen wird. Stärker noch als Wirtschaftsunternehmen haben viele gemeinnützige Organisationen mit begrenzten Ressourcen zu kämpfen und stehen in hoher Abhängigkeit von Förderern und anderen Stakeholdern. Interessanterweise sind laut Umfragen Organisationen mit solider finanzieller Ausstattung jene, die sich mit Veränderung durch Digitalisierung besonders tun schwer tun (siehe Mutmacherpapier).

Nachdem Uta Mielisch im ersten Teil des Workshops einen Einblick in das heterogene Feld der Non-Profit-Organisationen gegeben hatte, wurde im  zweiten Teil das Thema mit Hilfe einer Erkundungsaufstellung vertieft. Bei der Aufstellung  handelt  sich um eine spezielle Form der Organisationsaufstellung, die maßgeblich von Prof. Dr. Müller-Christ an der Universität Bremen entwickelt wurde. Weitere Informationen zur Methode finden Sie hier.

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Alle Teilnehmende des Workshops ließen sich vertrauensvoll und voller Neugierde auf ein Experiment ein, denn die Methode arbeitet mit verdeckten Ausstellungen. 

Es wurden Elemente ausgewählt, die typisch für das Arbeiten von NPOs sind. So nahmen als Akteure teil: Führungskraft, Mitarbeitende sowie Ehrenamtliche. Zudem wurden durch weitere Teilnehmende die Elemente Geldgeber, Zielgruppen und auch Führungskultur und Digitalisierung repräsentiert. Die Aufstellung erfolgte zwischen typischen Spannungsfeldern gemeinnütziger Organisationen: Ressourcen versus Zweck der Organisation und traditionelle Hierarchien versus Selbstverantwortlichkeit. Den Teilnehmenden wurden Buchstaben zugeordnet.  Wofür die Buchstaben konkret standen, war nur den beobachtenden Personen bekannt.

Regine Bruns leitete souverän durch zwei Runden in der Aufstellungsarbeit. Mit höchster Konzentration wurde gearbeitet, Plätze verändert und nachgespürt. „Mir ist das alles zu spuky“, war nach einer guten ¾ Stunde die Rückmeldung einer Teilnehmerin.
Alle anderen waren perplex ob der Kraft dieser Methode. 

 
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Hier ein kleiner Ausschnitt: Die Spannungen  zwischen Ehrenamtlichen und Mitarbeitenden insbesondere mit Blick auf die daraus resultierende Wirkung auf die Führungskraft wurden sehr deutlich. Diese fühlte sich bei der Aufstellung in Nähe der traditionellen Hierarchie wohler als im Bereich mit viel Selbstorganisation. Und wie hat sich die Dimension Digitalisierung gezeigt? Ihr wurde mit Distanz und auch mit Angst begegnet, die Zielgruppe und Führungskultur  suchten allerdings die Nähe zu ihr. Und die Digitalisierung selbst empfand sich als extrem machtvoll und mit dem klaren Anspruch, dass „sich das System (die Organisation) zu ihr ausrichten müsse. 

Was können wir daraus lernen? Die Erkundungsaufstellung hat angeregt zu reflektieren und bietet die Möglichkeit, ein System in einer 3D-Dimension zu beleuchten. Aus dem protypischen Non-Profit-Beispiel konnten diverse Hypothesen und Erkenntnisse gewonnen werden. Mit Blick auf die zunehmende Digitalisierung wurde klar, dass diese teilweise von Organisationen und ihren Akteuren eher als Hemmschuh denn als Chance betrachtet wird. Dies zu verändern und Führungskräfte gezielt bezogen auf Digitalisierung und Führungskultur zu unterstützen, stellt vermutlich eine wesentliche Aufgabe für Beraterinnen im Dritten Sektor dar. Dies würde entsprechend der Aufstellung auch die Voraussetzungen für ein stärkeres finanzielles Engagement von Geldgebern verbessern.  

Quellen: siehe Mutmacherpapier, MC Methode

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