Online-Session 'Alles auf Eis?'

01. März 2021

Ich habe den Austausch sehr genossen, vor allem mit Menschen an unterschiedlichen Lebenspunkten. Ich gehe mit vielen neuen Erkenntnissen und Inspirationen aus der Session :)

Ich habe neue Blinkwinkel auf die aktuelle Lage bekommen, vor allem wie ich damit noch besser umgehen kann.

Ich habe es als sehr wohltuend empfunden mich mit so vielen lieben Menschen auszutauschen, die ich vorher zwar nicht kannte, mir jedoch ein sehr warmes Gefühl hinterlassen haben.


Erfahrungsbericht einer Teilnehmerin

Finde Deine Startbahn 08.- 10. Mai 2020

 

Das Haus „Mi Camino", liegt in der Nähe von Herzhausen, einem kleinen, verschlafenen Ort im Nationalpark „Kellerwald".
Am Bahnhof angekommen, traf ich direkt mit den anderen Seminarteilnehmern zusammen. Aufgrund der aktuellen Krise waren wir sieben statt zwölf - eine sehr überschaubare Runde.
Judith Schmid, die Leiterin des Seminars, schlug vor, zu Fuß zum Mi Camino zu laufen. Das Gepäck nahmen die zwei von uns mit, die mit dem Auto angereist waren.
Schon vom ersten Moment an spürte ich das Gefühl von Offenheit in der Gruppe – Offenheit sowohl füreinander als auch für all die Erfahrungen, die wir in den nächsten zwei Tagen miteinander teilen würden. Wir kamen sofort untereinander ins Gespräch und ehe wir das Haus erreicht hatten, hatte ich mich mit jedem aus der Gruppe schon einmal kurz unterhalten. Die meisten von uns hatten gerade ihr Abitur abgeschlossen, aber es gab auch Teilnehmer, die noch nicht mit der Schule fertig oder ganz im Gegenteil schon ein paar Jahre raus waren. Spannend war auch zu sehen, wie unterschiedlich die Motivationen der anderen gewesen waren, an dem Seminar teilzunehmen: Es gab diejenigen die schon einen konkreten Plan hatten und eher Bestätigung, bzw. einen anderen Blick darauf suchten, und es gab wiederum andere, die fast vollkommen ohne Vorstellung von ihrem zukünftigen Weg angereist waren. Alles in allem waren wir eine sehr durchmischte Gruppe, in der kein Berufswusch zweimal vorkam. Und ich habe das Gefühl, dass wir alle von dieser Inhomogenität sehr profitiert haben.

Das alte Fachwerkhaus Haus mit dem passenden Namen „Mi Camino" war der perfekte Ort für das Seminar. Es war so gemütlich und gleichzeitig scheinbar so wahllos eingerichtet, dass man vom ersten Moment an das Gefühl hatte, sich unbeschwert bewegen zu können und in gewisser Weise „Zuhause" anzukommen.

Das Seminar startete mit einer Kennlernrunde der etwas anderen Art: jeder interviewte die Person neben ihm und stellte sie dann in der großen Runde vor. Die Fragen luden direkt dazu ein, näher über sich und seine Erwartungen bezüglich des Seminars zu reflektieren. Wir konnten sofort privatere Dinge einbringen, dazu gezwungen wurde man aber nicht.
Es folgten weitere Übungen, bei denen wir in Gruppen die eigenen Kernkompetenzen herausarbeiteten. Anschließend versammelten wir uns zum gemeinsamen Abendessen im Wohnzimmer und ließen den Abend ausklingen.

Am zweiten Tag wurde morgens für alle, die frühgenug aus dem Bett kamen, Qigong angeboten. Nach dem gemeinsamen Frühstück beendeten wir die Übung zu unseren Kernkompetenzen und widmeten uns unseren Interessen. Als abschließende Übung für den Tag stand eine Spiegelungsübung an, bei der es darum ging, die Intuitionen über eine Person zu verbildlichen. Dies sollte in Form eines Kaufladens geschehen. Zu Beginn waren wir alle ein wenig unsicher, wie das funktionieren sollte. Am Ende muss ich sagen, dass diese Übung tatsächlich meine liebste war und mir sehr viel gegeben hat. Einerseits war es faszinierend zu sehen, wie viel man durch Intuition über einen fast fremden Menschen weiß - meist, ohne sich das bewusst zu machen. Andererseits hatte ich das Gefühl, dass wir alle noch näher zusammengerückt waren. Es hatte sich das angenehme Gefühl eingestellt, sich schon eine Weile zu kennen, obwohl es strenggenommen nur 1,5 Tage gewesen waren.

Der dritte Tag sollte dazu dienen, die gesammelten Eindrücke zu konkreten Ideen zu verarbeiten. Aus diesem Grund begannen wir jeweils in Teams nach Studiengängen, Ausbildungsplätzen, Praktika oder Städten zu recherchieren. Das half besonders denjenigen aus der Gruppe weiter, die ohne feste Idee zu dem Seminar gekommen waren. Am Ende der zwei Tage hatten alle das Gefühl, dass ihnen das Seminar etwas Wichtiges gegeben hatte – sei es eine konkrete Vorstellung von der eigenen Persönlichkeit, den Fähigkeiten und Interessen oder eine konkretere Vorstellung von dem eigenen Zukunftsweg. Auch für mich hat sich das Seminar in jeder Hinsicht gelohnt – wegen der Erfahrungen und der neuen Perspektiven, aber auch wegen der wundervollen Menschen, die ich kennenlernen durfte und die mich ein Stück weit mit in ihre Welt genommen haben. Die zwei Tage haben sich für mich auch eher wie eine Woche angefühlt, so viele Eindrücke habe ich in diesen 48 Stunden gesammelt.

Es tat ein bisschen weh, sich wieder in alles Himmelsrichtungen zu verstreuen und auch das gemütliche Haus irgendwo im nirgendwo hinter sich zu lassen.

 

Sommer, Zukunft, Baggersee

Vöhl-Herzhausen, 13.43 Uhr. Ankunft der Regionalbahn am Nationalparkbahnhof. Fünf junge Menschen steigen aus, mit vollem Rucksack und erwartungsfrohen Gesichtern. Sechs weitere kommen später mit dem Auto. Die Rucksäcke werden verladen, dann geht es zu Fuß eine halbe Stunde durch Wald und Flur bis zum alten Pfarrhaus in Kirchlotheim, einem 100- Seelen -Dorf am Rande des nordhessischen Nationalparks Kellerwald-Edersee. Domizil für zwei intensive Tage voller Gespräche, Reflexionen, Beobachten, Fragezeichen und Gedankenstrichen, Höhen und Tiefen. Und auch erfrischendes Abkühlen beim abendlichen Sprung in den Baggersee.

„Die Suche ist eher im Innen. Nicht nur Studiengänge durchscrollen. Das ist für mich neu."

„Finde deine Startbahn" heißt die Lernwerkstatt, die unter der Leitung von Judith Schmid vom 5.-7. Juli von der Schmid Stiftung erfolgreich wieder aufgenommen worden ist. Elf junge Menschen zwischen 17 und 20 Jahren erlebten isb Kultur, arbeiteten gemeinsam an ihren Kernkompetenzen, spiegelten sich, lobten sich über den grünen Klee, fanden Slogans und Standorte und recherchierten im brüchigen WLAN nach konkreten Ausbildungsperspektiven.

„Mir hat die Verbildlichung zum Teil sehr gefallen. Die kreative Umsetzung von den Gedanken, die man so hat."

Vor allem aber wurde miteinander geredet. In den Übungen, auf den Zimmern, am gemeinsamen Abendbrottisch, beim Spaziergang durch Wald und Wiese. Die jungen Leute waren (manchmal zum ihrem eigenen Erstaunen) sehr offen miteinander, profitierten von dem einen, oder fanden Zufriedenheit darin, dem anderen bei der Suche nach dessen Antworten behilflich zu sein.

„Ich fand den Austausch zwischen ‚Fremden' toll. Die lockere und offene und sichere Weise, wie wir alle miteinander geredet haben und Gespräche geführt haben, war für mich sehr besonders."

Zwei Tage vergehen wie im Fluge. Manche nehmen eine neue Idee mit nach Hause, andere eine Festigung ihrer bisherigen Pläne. Wieder andere haben ein Bewusstsein dafür entwickelt, was ihnen an Substanz im Beruf wichtig sein wird, selbst wenn sie noch nicht genau wissen, in welchem Fach das am besten zu finden sein wird.

Alle sind am Ende mit Zuversicht abgereist: Es führen so viele Wege nach Rom. Man kann also guten Mutes einfach mal losgehen.

„Ich war schon total unmotiviert, weil mich dauernd jeder fragt ‚Was machst du denn jetzt? '. Aber hier habe ich gesehen, dass es nicht nur mir so geht und ich bin jetzt wesentlich motivierter, nach meiner Zukunft wirklich zu schauen."

Vielen Dank an alle Teilnehmer, die uns durch ihre Offenheit bereichert haben und an Beate und Olivia, die uns mit einem so herzlichen Rahmen und gutem Essen versorgt haben!

Die nächste Lernwerkstatt findet statt vom 08. - 10. Mai 2020 im Seminarhaus Mi Camino. Wir freuen uns, wenn ihr unser Angebot weiterhin empfehlt.